Aktuelles

Den Mitgliederrundbrief  2018 finden Sie unter dem Unterpunkt „Über uns“ und „Aktueller Mitgliederrundbrief“.

Unsere Studienfahrt 2018

Gruppenbild an der Wewelsburg (Foto: o.A. 2018)

Studienfahrt des IFK zum Gelände des ehemaligen „Lagers Staumühle“, der heutigen Justizvollzugsanstalt Hövelhof, zur Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne (Schloß Holte-Stukenbrock, NRW), zur Wewelsburg sowie zur ehemaligen Synagoge und zum jüdischen Friedhof Oerlinghausen am 27./28. Juli 2018

Ehemaliges „Lager Staumühle“ (Katja S. Baumgärtner)

Der wechselvollen Geschichte des historischen Ortes „Lager Staumühle“ widmete sich der erste Teil der IFK-Studienfahrt 2018 mit dem Besuch der heutigen Justizvollzugsanstalt Hövelhof, zwischen Bielefeld und Paderborn gelegen. Frau Labudda und Herr Dewenter, Bedienstete der JVA, leiteten uns engagiert durch die Geschichte des Ortes und machten anschaulich, wie die deutsche Geschichte in der unterschiedlichen Nachnutzung zu verschiedenen Zeiten reflektiert, überdeckt und bisweilen auch wieder hervorgebracht wird. Der vermutlich aus dem Plattdeutschen stammende Name des Ortes ‚Stugge(r)mühle‘, verweist auf seine erste Nutzung, eine Mühle, die für landwirtschaftliche Zwecke in der Regierungszeit des Paderborner Fürstbischofs Wilhelm Anton von der Asseburg (1763–1782) am Oberlauf des Haustenbaches eingerichtet wurde.

Im Ersten Weltkrieg wurde hier das „Lager Staumühle“ errichtet, ein Lager für Kriegsgefangene, die vor allem aus westeuropäischen Ländern kamen. Schon damals befanden sich auf dem Gelände Truppenübungsplätze und eine militärische Bildungseinrichtung. Nach dem Ersten Weltkrieg bevölkerten als ‚Heimkehrer‘ bezeichnete, vermutlich schwer traumatisierte Kriegsüberlebende, den Ort, bis das Lager 1921 aufgelöst wurde. Einige Jahre später entstand hier ein Kinderdorf, das „Kinderdorf Staumühle“, ein Ferien- und Erholungsort für Kinder und Jugendliche aus dem Ruhrgebiet. Diese zivile Nutzung war allerdings nur von kurzer Dauer. Bereits 1927 wurde mit dem Bau einer Kaserne begonnen und das Gelände zunehmend als militärischer Komplex ausgebaut. Die Mischnutzung bestand Anfang der dreißiger Jahre fort, als der Freiwillige Arbeitsdienst (FAD) der katholischen und evangelischen Kirche sich hier ansiedelte. Ab 1933 vereinnahmte dann die Wehrmacht den gesamten Ort. Es entstanden eine Bezirksführerschule, eine Wehrsportlage sowie Truppenunterkünfte, mit Ausbildungseinheiten in Regimentsstärke. Ab 1941 bis Kriegsende existierte parallel zu dieser militärischen Nutzung ein Kriegsgefangenenlager, das Stalag 326 (VI K), und ein Seuchenlazarett. Zehntausende Menschen kamen hier ums Leben. Auf demselben Gelände wurde zwischen 1945 bis 1948 das „Civil Internment Camp No. 5“ der britischen Streitkräfte eingerichtet. Bis zu 12.000 Mitglieder ehemaliger nationalsozialistischer Organisationen, etwa KZ-Wachmannschaften und andere Verdächtige, darunter auch zahlreiche Frauen, wurden an diesem Ort inhaftiert. Das CIC No. 5 in Staumühle war damit das größte Camp im Nachkriegsdeutschland. Ab 1948 wurde „Staumühle“ dann nach und nach für den offenen Jugendstrafvollzug nach britischen Vorbild umgebaut, als welches der Ort auch noch heute verwandt wird.

Beim Begehen des Areals treffen wir immer wieder auf unterschiedliche Spuren der Vergangenheit. Imposant ein riesiger Findling, in dem auf der einen Seite ein erhobenes Schwert und SS-Runen eingraviert sind; sie überlebten den Versuch, sie auszukratzen und zu zerstören. Auf der Rückseite des Findlings findet sich wiederum eine Vertiefung, die nach 1945 zeitweilig als Vogeltränke diente. Wie ein Monument steht der Findling heute inmitten eines idyllischen Wohngebietes, wo vormals sich das ‚Lager Staumühle‘ befand. Wald, Wildwuchs und Bebauung überdecken nach und nach die Geschichte und nur mit Hilfe der Hinweise von Frau Labudda und Herr Dewenter sind die wenigen Spuren zu entziffern. Unter Bäumen steht das rostige Lagertor des ehemaligen britischen Fraueninternierungslagers; wir treffen auf eine zugebaute Straße, die noch heute offiziell den Namen „Lagerstraße“ trägt; ein Stückchen alter Stacheldraht ist an einem Baum mit in die Höhe gewachsen; im Wald einige Erdhügel, die Umrandungen eine ehemaligen Friedhofes, über den kaum etwas bekannt ist; eine alte Tränke steht inmitten des Waldes, sie diente als öffentlicher Waschzuber, so Frau Labudda. Ein großes Stückchen Freifläche zwischen Bäumen, bezeichnet den Ort einer ehemaligen Baracke – wenn Mensch es weiß. Durch archäologische Grabungen, u.a. mit Jugendlichen der heutigen JVA, wird heute versucht, das verborgene Erbe des Ortes wieder an die Oberfläche zu bringen.

Findling mit Gravur inmitten des heutigen Wohngebiets

Überwuchertes Eisentor zum ehemaligen CIC-Frauen-Internierungslager

Stacheldrahtrest an einem Baum

Die mit einem Zaun verbaute ehemalige Lagerstraße

Öffentlicher Waschzuber (Fotos: © KSB 2018)

 

Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne und Ehrenfriedhof für sowjetische Kriegsgefangene (Katja S. Baumgärtner)

Nur wenige Kilometer von „Staumühle“ entfernt, steht die heutige Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne. Auf dem Areal einer Liegenschaft der Polizei Nordrhein-Westfalens untergebracht, ist die Dokumentationsstätte nur nach vorheriger Anmeldung und mit einer Genehmigung zu betreten. Thomas de Maiziere hatte während seiner Zeit als Bundesminister für Verteidigung verfügt, dass diese gleichsam nichtöffentliche Dokumentationsstätte künftig angemessen ausgebaut und der Öffentlichkeit als Erinnerungsort zugänglich gemacht werden soll. Einstweilen jedoch existiert die Dokumentationsstätte durch das Engagement einiger Weniger, die versuchen, die historischen Sedimente des Ortes sichtbar zu machen. Herr Hecker, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Dokumentationsstätte Stalag 326, geleitete unsere Gruppe kenntnisreich über das Areal.

1941 errichtet die Wehrmacht das Stalag 326 (VI K) Senne für zumeist sowjetische, später auch serbische, polnische, französische, italienische und weitere Kriegsgefangene. Die Gruppe der sowjetischen Kriegsgefangenen bildete dabei die größte Gruppe. Auf dem heutigen Gelände ist ein Arrestgebäude erhalten, das zur Durchsetzung von Disziplinarstrafen diente, sowie ein weiteres Gebäude, das „Entlausungsgebäude“, ehemals Bad und Ort der Desinfektion. Das Stalag 326 (VI K) Senne diente u.a. als Durchgangslager zur Registrierung und Untersuchung der Gefangenen, die von hier aus u.a. zur Zwangsarbeit in die Kohlegruben des Ruhrgebiets geschickt wurden. Vor Ort befanden sich ständig zwischen 2.000 und 20.000 Menschen; aufgrund der entsetzlichen Bedingungen wird heute davon ausgegangen, dass etwa 65.000 Gefangene durch Hunger, Kälte, aufgrund mangelnder hygienischer Bedingungen und durch Misshandlungen den Tod fanden. Unweit des Stalags befindet sich der sowjetische Ehrenfriedhof, der nach der Befreiung durch sowjetische Überlebende initiiert und errichtet wurde. Es findet sich hier eine bisher unbekannte Anzahl an Massengräbern; durch ehrenamtliche Mitarbeiter*innen der Gedenkstätte konnten bislang etwa 10.000 Tote namentlich identifiziert werden. Die genaue Zahl der Toten ist nicht feststellbar.

Von 1946-47 war das Gelände das britische Internierungslager „Eselsheide CIC 7“ für deutsche Kriegsgefangene und Verdächtige. Danach entstand das „Sozialwerk Stukenbrock“, das offiziell von 1948-1970 existierte. Die etwa 140 Baracken und 130 Nissenhütten wurden nach und nach für Vertriebene und Geflüchtete aus- und umgebaut; es entstand eine richtige kleine Stadt mit Kirche, Schule, Poststelle und Behelfskrankenhaus. Das ehemalige Arrestgebäude, eine etwa 30×8 Meter lange Baracke, war zeitweilig Friseursalon und Lebensmitteladen. Später, ab 1966, existierte an diesem Ort die Landespolizeischule „Erich Klausener“ mit einer eigenen Kleidungskammer und eigenem Waffenlager. Seit 1996 befindet sich hier eine kleine Dokumentationsstätte, die für die bildungspolitische Arbeit genutzt wird, aber auch interessierten Besucher*innen offensteht. Zu sehen sind u.a. zahlreiche Exponate, Artefakte, Zeitdokumente und zeitgenössische Fotografien, einige davon in Farbe.

Das so bezeichnete „Entlausungsgebäude“ des ehemaligen Stalag 326 (VI K) Senne

Namen/Inschriften einer Gedenkmauer auf dem Ehrenfriedhof für sowjetische Kriegsgefangene des Stalag 326 (VI K) Senne. (Fotos: © KSB, 2018)

 

Die Wewelsburg (Peter Plieninger)

Am zweiten Tag unserer Fahrt besuchten wir den Ort Büren mit der Wewelsburg, südwestlich von Paderborn. Sie ist eine eindrucksvolle Dreiecksburg vom Anfang des 17. Jahrhunderts auf einem Hügel über dem Almetal gelegen. In der Burg befindet sich heute das Historische Museum des Hochstifts Paderborn und eine Jugendherberge. Im wieder aufgebauten ehemaligen SS-Wachgegebäude am Burgvorplatz hat die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg mit ihrer Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ Platz gefunden.

Der kleine Ort Wewelsburg wurde von 1933 bis 1945 entscheidend durch die SS bestimmt. Er sollte entsprechend vorliegender Planungen sogar weitgehend verschwinden zugunsten einer Neubebauung gigantischen Ausmaßes. Der „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler hatte die Wewelsburg ab 1934 gemietet. Eine zuerst geplante „Reichsführerschule SS“ wurde nie verwirklicht, später sollte die Burg zentrale Versammlungsstätte des SS-Gruppenführerkorps werden. Arbeitskräfte für die umfangreichen Umbaumaßnahmen wurden kurzzeitig durch den Reichsarbeitsdienst, dann ab 1941 durch das nahegelegene KZ Niederhagen/Wewelsburg gestellt.

Modell der Wewelsburg, Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg (Foto: © KSB, 2018)

Der Historiker Norbert Ellermann führte uns sehr kompetent durch die Dauerausstellung, die einen anschaulichen und vielfältigen Einblick in die Organisation der SS, ihre Organisationsstruktur, Ideologie und Propaganda liefert. Immer wieder wird auch der Bezug zum historischen Ort hergestellt. Nach der Mittagspause besichtigten wir den Nordturm der Burg. Dieser war 1815 durch Blitzschlag zerstört worden und sollte ab 1939 zur „neuen Wewelsburg“ ausgebaut werden. Fertiggestellt wurden bis 1943 nur zwei Stockwerke: der „Obergruppenführersaal“ und im Kellergeschoss die unvollendet gebliebene „Gruft“. Die oberen Stockwerke wurden zwischen 1972 und 1975 ergänzt und sind heute Teil der Jugendherberge.

Beim „Obergruppenführersaal“ handelt es sich um einen kreisförmigen Raum, in dem zwölf Säulen eine Kuppel tragen. In der Mitte des hellgrauen Marmorfußbodens befindet sich eine dunkelgrüne Marmorinkrustation (Steinintarsie) in Gestalt eines zwölfspeichigen Sonnenrades. Nicht gesichert sind die ursprüngliche Bezeichnung und ihre Bedeutung. Das Sonnenrad hatte möglicherweise eine symbolhafte Bedeutung für die „germanische Licht- und Sonnenmystik“, die von der SS propagiert wurde. Das Bodenornament im „Obergruppenführersaal“ ist das Vorbild des heute als „Schwarze Sonne“ bekannten Symbols, auch wenn es in Form und Farbe vom Original abweichend gestaltet ist.

Die „Schwarze Sonne“ wird von Teilen der Neonaziszene und rechtsesoterischen Kreisen als Erkennungssymbol verwendet. Auch in Teilen der neuheidnischen Szene findet das Symbol Verwendung. In rechtsgerichteten Teilen von Musik-Subkulturen wie der Neofolk- oder Metall-Szene wird die „Schwarze Sonne ebenfalls häufig verwendet.

Im „Obergruppenführersaal“ ist das Fotografieren in der Regel verboten. Zu groß wird die Gefahr gesehen, dass sich Erinnerungs-Bilder vor allem im Internet verbreiten.
Die AusstellungsmacherInnen verfolgen mit im Obergruppenführersaal verteilten Sitzsäcken und mit dem Bilderzyklus zum Gedenken an die Opfer der SS-Gewalt vor den Nischen der Gruft das Ziel, zu verhindern, dass Neonazis oder rechten Gesinnungen nahe stehende Besucher diese durch die Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen erbauten Räume als Wallfahrtsort und ideologischen Bezugspunkt nutzen.

Dies gelingt nach unseren kurzen Erfahrungen als Besucher aber nur zum Teil. Begegnet sind wir auch einem offensichtlich „völkischem“ Publikum. Herr Ellermann wurde bei der Erklärung des Sonnenrades und seines möglichen Ursprungs von einem anwesenden Besucher in eine Diskussion über die Bedeutung von Runen verwickelt. Offen getragene rechtsradikale Symbole auf Kleidungsstücken oder Tattoos sind den Ausstellungsbesuchern zwar nicht erlaubt, werden bei der Eingangskontrolle aber offensichtlich nicht immer erkannt. Bei unserem kurzen Aufenthalt konnten wir einige entdecken. Inwieweit sie in der Verbotsliste des Museums aufgeführt sind, konnten wir nicht nachprüfen.

Dieses Aufeinandertreffen von Gedenken an die Opfer der braunen Barbarei und die Anwesenheit von Menschen aus der rechtsextremen Szene werden für mich wohl die stärksten Eindrücke an die Wewelsburg bleiben.

Der Historiker Norbert Ellermann (ganz links) während unserer Führung durch die Dauerausstellung in der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg

Eindrückliche Rauminstallation im „Obergruppenführersaal“ (Fotos: © Peter Plieninger, 2018)

Letzte Station vor der Rückfahrt nach Oerlinghausen und Bielefeld war das nahegelegene ehemalige KZ Niederhagen/Wewelsburg. Es war 1941 bis 1943 mit “nur“ 3900 Häftlingen das kleinste selbstständige KZ des Deutschen Reiches. Die Häftlinge wurden ausschließlich zum Um- und Ausbau des Schlosses und des Dorfes Wewelsburg eingesetzt. Namentlich nachgewiesen sind 1285 Häftlinge, die durch die Anweisung Himmlers zur „Vernichtung durch Arbeit“ ums Leben kamen. Das sind zusammen mit den unbekannten Opfern mehr als ein Drittel der Lagerinsassen.

Bis auf eine Baracke und die Grundmauern der ehemaligen Lager-Küche ist von der Originalsubstanz des KZ wenig erhalten. Mit Ausnahme des ehemaligen Appellplatzes befindet sich dort heute Gewerbe- und Wohnbebauung. Das typische Torhaus mit seiner großen Einfahrt wurde vollkommen überbaut und ist heute ein unscheinbares Wohnhaus mit Wintergarten.

Auf dem ehemaligen Appellplatz wurde im Jahr 2000 ein dreieckiges Mahnmal in Form eines Winkels eingeweiht. Ein umlaufendes Schriftband erinnert in mehreren Sprachen an die Opfer der Gewaltherrschaft in Wewelsburg.

Gedenkzeichen ehemaliges KZ Niederhagen/Wewelsburg (Foto: © KSB, 2018)

 

Ehemalige Synagoge und Jüdischer Friedhof Oerlinghausen (Peter Plieninger)

Auf der Rückfahrt nach Bielefeld hatten wir noch einmal die Gelegenheit im Bienek´schen Haus in Oerlinghausen „aufzutanken“ und uns zu erfrischen. Vor der Rückfahrt nach Bielefeld und Berlin, ergab sich die Gelegenheit, die ehemalige Synagoge mit dem nahegelegenen Friedhof zu besuchen. Sie wird vom Kunstverein des Ortes für Ausstellungen genutzt.

Erbaut wurde das Synagogengebäude, so wie es auch heute noch zu sehen ist, Ende des neunzehnten Jahrhunderts, im Jahr 1893. Seit Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts verringerte sich die Zahl der Gläubigen in der jüdischen Gemeinde. Gottesdienste fanden deshalb nicht mehr statt, wohl aber führten noch Beerdigungen von der Synagoge zum höher gelegenen jüdischen Friedhof. Die Zeit des Nationalsozialismus mit „Juden-Boykott“ und den Folgen der „Nürnberger Gesetze“ verschonten auch die jüdischen Bürger Oerlinghausens nicht. 1938 musste die Lippische Synagogengemeinde das Bethaus zum Kauf anbieten. Der staatenlose Johann Sikka erwarb es am 15. Juli 1938 für 1300 Reichsmark. Die noch vorhandene Inneneinrichtung wurde vernichtet und als Brennholz verfeuert. Wertvolles liturgisches Inventar war vorher ausgelagert worden. Während der sogenannten „Reichskristallnacht“ blieb die Synagoge verschont. Lediglich der kleine Turm mit dem Davidsstern musste entfernt werden. Die letzten jüdischen Familien wanderten aus, aber nicht allen gelang die Emigration nach Südamerika. Einige wurden verschleppt und in den Lagern oder auf der Flucht ermordet.

Nach dem Tod des erbenlosen Besitzers, der eine Fahrradwerkstatt in der Synagoge eingerichtet hatte und dort auch wohnte, wurde das Land NRW Eigentümer. Da es in Oerlinghausen keine jüdischen Mitbürger mehr gab und auch die Kultusgemeinden in Bielefeld, bzw. Dortmund keinen Anspruch erhoben, erwarb die Stadt Oerlinghausen das Gebäude, wobei der Kunstverein die Hälfte des Kaufpreises beisteuerte und alleiniger Nutzer blieb.

Der 673 qm große Friedhof, von einer alten Steinmauer umfriedet, befindet sich nur ca. 500 Meter oberhalb der ehemaligen Synagoge. Im Gegensatz zu vielen anderen jüdischen Friedhöfen ländlicher Gemeinden, die oft weit außerhalb der Ortschaften angelegt wurden, bildet der Oerlinghauser Friedhof eine Ausnahme, da er wahrscheinlich innerhalb der Stadtgrenzen angelegt wurde. Man betritt den Friedhof durch das neue Eingangstor von der Straße „Auf dem Berge“. Vermutlich wurde der Friedhof viel früher als 1761, dem Datum seines ältesten erhaltenen Steins, angelegt.

Ehemalige Synagoge und Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Oerlinghausen (Fotos: © Peter Plieninger, 2018)

 

Dank

Unseren IFK-Mitgliedern Renate und Reinhard Bienek sind wir zu großem Dank verpflichtet. Sie haben nicht nur die ganze Organisation vor Ort übernommen, sondern uns sowohl am Anfang wie am Ende unserer sommerlich heißen Fahrt köstlich verpflegt und uns die Gelegenheit zur Erholung gegeben. Erwähnen möchte ich auch die Familien Kleines und Kleinemenke, die uns wie Reinhard Bienek zwei Tage mit ihren Autos zu den verschiedenen Besichtigungsorten gefahren und uns den Besuch der Synagoge ermöglicht haben. So haben wir auf die Anmietung eines Busses verzichten können.

Danke im Namen der ganzen Gruppe

Peter Plieninger

 

 

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Arbeitseinsatz auf dem Siemensgelände

 

Am 9. und 10. April 2018 trafen sich achtzehn Auszubildende der Siemens-Werkberufsschule, drei ihrer Lehrer, der Botaniker Christian Rau sowie Peter Plieninger vom IFK zu einem Arbeitseinsatz auf dem Gelände der früheren Siemens Fertigungsstelle Ravensbrück. Mit tatkräftiger Unterstützung der Technik aus der Gedenkstätte wurden Teile der Fundamente der Produktionshallen freigelegt und von der Spontanvegetation befreit.

Auf dem Weg vom damaligen Hauptlager des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück zur Fertigungsstelle und auf dem Gelände selbst wurden ca. 18 Texttafeln mit Hinweisen und Informationen zur Zwangsarbeit bei Siemens aufgestellt. Sie beschreiben den Ort in der Regel mit Zitaten aus überlieferten Zeitzeugenberichten der Zwangsarbeiterinnen, die sie unserem im letzten Jahr veröffentlichten Buch entnommen haben.[1]

Weitere Einsätze zur Freihaltung des Geländes und zur Ergänzung der Informationstafeln sind
geplant.

Peter Plieninger

[1] Internationaler Freundeskreis e.V. für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (Hrsg): Zwangsarbeit für Siemens im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Kommentierte Berichte der Zeitzeuginnen, ausgewählt und eingeleitet von Janna Lölke [Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Bd. 19], Berlin 2017.

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Artefakte aus Ravensbrück

Vergleich einer erworbene Arbeitslampe der Firma Siemens-Schuckert-Werke aus den 1930iger Jahren mit einem Fundstück aus Ravensbrück

Erworbene Art-Deco-Gelenklampe der Siemens-Schuckert-Werke

Fundstück Ravensbrück

Erworbene und gefunden Lampe

Logo der Siemens-Schuckert-Werke auf dem Lampenschirm innen

Fuß und Gelenk der erworbenen Lampe

Gelenkteil vom Fundstück

Unteres Gelenkteil der erworbenen Lampe mit Prägung „Siemens“

Fuß der erworbenen Lampe mit Logo der Siemens-Schuckert-Werke