Aktuelles

Am Freitag, dem 12. Februar wurde unser Ehrenmitglied Selma van de Perre in London zum „Ridder van Oranje-Nassau“ ernannt. Wir vom Internationalen Freundeskreis gratulieren sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung.
Die Zeremonie kann auf https://fb.watch/3GHiYPPMWQ/
nachverfolgt werden.

Selma van de Perre

Die 2020 im holländischen Verlag Thomas Rap/Amsterdam erschienenen Erinnerungen von Selma van de Perre: „Myn naam is Selma. Het uitzonderlijke verhaal van een joodse versetzsvrouw“, vertaald door Rebekka W.R. Bremmer, sind in den Niederlanden zu einem Bestseller geworden. Sie wurden nun auch ins Deutsche übersetzt (Übersetzung Simone Schroth) und vom Münchener Taschenbuchverlag btb im März 2021 veröffentlicht unter dem Titel „Meine Name ist Selma. Erinnerungen einer Widerstandskämpferin und Holocaustüberlebenden.“

Der aktuelle Mitgliederrundbrief für das Jahr 2020 findet sich in der Rubrik „Über uns“ unter „Aktueller Mitgliederrundbrief“.

Leiterinnenwechsel in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Dr. Insa Eschebach, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück seit 2005, trat zum 31. Juli 2020 in den Ruhestand. Dr. Andrea Genest trat am 1. August 2020 ihre Nachfolge an

Nach 15 Jahren nahm im Sommer 2020 die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (MGR), Insa Eschebach, ihren Abschied. Schon als sie 2005 die Nachfolge von Sigrid Jacobeit antrat, war sie für die Gedenkstätte keine Unbekannte. Deren Konzeption hatte Forschung zunächst nicht vorgesehen. Bis zum 50. Jahrestag der Befreiung des Lagers 1995 war die Verfolgung und Ermordung von Frauen in den Konzentrationslagern durch die etablierte NS-Forschung kaum öffentlich thematisiert worden. So war es nur folgerichtig, dass Sigrid Jacobeit und Insa Eschebach, in Kooperation mit der Zentraleinrichtung Frauenforschung an der FU Berlin, 1995 die Initiative zur Gründung der „Interdisziplinären Frauenforschungsgruppe Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück – Freie Universität“ (IFFG) ergriffen: „Zu wünschen wäre, dass unsere Gruppe das Forschungsprogramm Ravensbrück, seine Defizite und Desiderate, mit uns gemeinsam entwickelt und ausformuliert“, schrieben die beiden damals. Es begannen vielfältige fruchtbare Kooperationen und kontinuierliche Aktivitäten in Forschung und Lehre.[1] In den folgenden Jahren kristallisierten sich in der Arbeit von Insa Eschebach zwei Schwerpunkte heraus: zum einen die wissenschaftlich-theoretische Auseinandersetzung mit der Verfolgung und Ermordung von Frauen im Nationalsozialismus, zum anderen die gestaltende Arbeit als Kuratorin und Dokumentatorin diverser Ausstellungen sowohl in der Gedenkstätte Ravensbrück, wie ab 2002 auch in der Gedenkstätte Neuengamme. Als Insa Eschebach 2005 die Leitung übernahm, war für die Neugestaltung der Gedenkstätte eine Grundlage gelegt, erste Planungen bereits entstanden. Die Durchführung der meisten dieser Arbeiten stand jedoch noch aus und fiel wesentlich in ihre Amtszeit. Es war eine große Herausforderung, vor die sich die neue Leiterin gestellt sah, aber auch ein beachtlicher Gestaltungsraum, der vor ihr lag und den sie mutig anging. Über die Jahre entstand eine moderne Gedenkstätte. Sie machte zum einen das ehemalige Konzentrationslager in seinen räumlichen Aufmaßen und seinem ursprünglichen Aufbau für Besucher anschaulich und zugänglich. Sie vermittelte zum anderen über ihre Ausstellungen ein Verständnis der inneren Abläufe. Alle Dauerausstellungen wurden während der Amtszeit von Insa Eschebach entweder überarbeitet und neu eröffnet: Zellenbau 2006, „Alltag und Verbrechen der Ravensbrücker SS-Offiziere“ im Führerhaus 2010, Hauptausstellung 2013, „Zwangsarbeit im Frauen-KZ Ravensbrück – Textilfertigung für die SS-Wirtschaft“, „Im Gefolge der SS“ 2020. Voraussetzung für die Eröffnung der Ausstellungen waren meist umfangreiche Baumaßnahmen. Für die neue Hauptausstellung 2013 in der ehemaligen Kommandantur musste der Garagentrack umgewidmet und zu einem Verwaltungstrakt umgebaut werden. Stets erwies sich Insa Eschebach als kompetente Bauherrin und Planerin. Neben den informationsgesättigten, multimedialen Dauerausstellungen entstand eine Vielzahl von temporären Ausstellungen, die wenig beachtete Häftlingsgruppen und Themen der Lagergeschichte in den Mittepunkt rückten. Hinzu kamen eine Ausweitung und Differenzierung der Angebote. Die vielleicht berührendste ist die sommerliche Seelesung, die die Stimmen der Menschen wiederaufleben lässt, die in Ravensbrück Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Die Europäische Sommer-Universität Ravensbrück, 2005 durch Sigrid Jacobeit initiiert, wurde zu einer festen Institution.[2] Sie führt in jedem Jahr eine internationale, interdisziplinäre, unterschiedliche Gruppe von TeilnehmerInnen zusammen und zeichnet sich dadurch aus, dass sie konsequent eine Genderperspektive berücksichtigt. Außerdem bieten jährliche Arbeitstreffen zur Ravensbrück-Forschung Nachwuchswissenschafterinnen ein Forum des Austauschs und der Weiterbildung. Erfreulich erfolgreich gestaltete sich auch die Zusammenarbeit der Gedenkstättenleitung mit dem „Internationalen Freundeskreis e.V. der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück“ (IFK), zu deren Vorstand die Leiterin zählt. Ab 2009 findet jeweils zum Jahresende eine gemeinsam organisierte Benefizveranstaltung in Berlin statt. Einem größeren Publikum werden die Arbeit der Gedenkstätte, neue Publikationen und Projekte vorgestellt und ein Sammlungsgegenstand präsentiert, für dessen Restaurierung Spenden benötigt werden.

Diese hier nur in Auszügen beschriebene, in den Jahren von Insa Eschebachs Amtszeit entstandene Vielfältigkeit war vor allem auch ihrer Person geschuldet: ihrer Teamfähigkeit, Neugier, Offenheit und einer großen Begabung für Freundschaft. Davon zeugt zuletzt die Festschrift, die Sabine Arend und Petra Fank ihr zum Abschied als Herausgeberinnen zusammengestellt haben.


[1] 1997 wurde die IFFG für ihr Engagement mit dem Margherita-von-Brentano-Preis der FU ausgezeichnet.

[2] Die einzige Ausnahme bildete das Jahr 2013, in dem die neue Hauptausstellung eröffnet wurde.

Am 1. August 2020 übernahm Dr. Andrea Genest die Leitung der Gedenkstätte Ravensbrück.

Auch sie, die 1970 geborene Berlinerin, ist der Gedenkstätte seit geraumer Zeit verbunden. 2007 wurde sie, damals noch Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, als Expertin für Erinnerungskultur in Osteuropa, insbesondere Polen, im „Internationalen Kuratorium“ der Europäischen Sommeruniversität als Mitglied aufgenommen und blieb bis 2011. Sehr viel länger währte ihre Mitarbeit in diversen Vorbereitungsgruppen der Europäischen Sommeruniversität. Andrea Genest hatte in den 90er Jahren am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Politikwissenschaften und Germanistik studiert. Zwischen 1991 und 1993 kam sie nach Auschwitz/Oświęcim, zunächst als Mitarbeiterin des Freiwilligen Friedensdienstes der Aktion Sühnezeichen, später als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem EU-Projekt „Civil Society and Social Change after Auschwitz“ (Leitung: Prof. Jonathan Webber, Oxford, UK). 1999 wechselte sie für sechs Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die „Forschungsstelle Widerstandsgeschichte“ am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin und arbeitete gleichzeitig an Ausstellungsprojekten der „Gedenkstäte Deutscher Widerstand“, Berlin, sowie an ihrer Dissertation. 2005 wurde sie promoviert. Nach Ravensbrück kam Andrea Genest 2009 zunächst für einen Werkvertrag im Rahmen der Sonderausstellung: „Vergessene Vernichtung? Polnische und tschechische Intelligenz in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück am Beginn des Zweiten Weltkrieges“. Sie organisierte den Besuch polnischer Zeitzeuginnen und führte lebensgeschichtliche Interviews mit ihnen durch. Im Anschluss kam sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin im Rahmen der neu zu konzipierenden Hauptausstellung an die Gedenkstätte Ravensbrück. In den dann folgenden Jahren arbeitete sie in mehreren Gedenkstätten: In Sandbostel war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin beteiligt an einer Ausstellung zum Kriegsgefangenenlager und verantwortlich für eine Ausstellung über die Nachkriegsgeschichte des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB Sandbostel. Zur gleichen Zeit machte sie Interviews mit ehemaligen Flüchtlingen aus der DDR sowie ehemaligen polnischen Kriegsgefangenen. Ihre dabei gewonnenen Kenntnisse kamen ihr bei der Leitung eines Forschungsprojektes über DDR-Zuwanderer zugute, welches an der „Stiftung Berliner Mauer“ angesiedelt war. Aus ihrer Mitarbeit an der vom „Internationalen Freundeskreis e.V. der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück“ initiierten und durchgeführten umfangreichen Quellensammlung zu „Zwangsarbeit für Siemens in Ravensbrück“ ging 2017 eine Fotoausstellung hervor, in der sie „Produkte“ präsentierte, Relikte, die bei Grabungen auf dem Siemensgelände gefunden worden waren. NS-Zwangsarbeit hat sie auch in den letzten Jahren beschäftigt, in denen sie zunächst am Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit im Berliner Ortsteil Niederschöneweide beschäftigt war und dann für das „Museum Charlottenburg-Wilmersdorf“ eine Werkausstellung zur NS-Zwangsarbeit kuratierte. Für die Leitung der Gedenkstätte Ravensbrück bringt Andrea Genest umfangreiche Erfahrungen als Wissenschaftlerin und Kuratorin mit. Darüber hinaus verfügt sie über Sprachkenntnisse, ein umfangreiches historisches Wissen sowie langjährige Kontakte zu dem Land, aus dem die größte Ravensbrücker Häftlingsgruppe kam: Polen. Nicht zuletzt ist Andrea Genest versiert im Umgang mit neuen Medien, Foto, Film, Datenbanken. Sie kennt sich aus mit modernen Präsentationsformen und -formaten, für die die Gedenkstätten sich öffnen werden. Dazu gehört ein künstlerischer Umgang mit der Erinnerung an NS-Verfolgung und Ermordung, der in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeugen gibt, an Bedeutung gewinnt. 

Einladung zum Jour-Fix des IFK

Wie schon länger angekündigt, will der Internationale Freundeskreis Ravensbrück mit Jour-Fix Treffen den Mitgliedern des IFK die Möglichkeiten geben, sich besser kennenlernen zu können und gleichzeitig Informationen zu bekommen, die bei unseren anderen Treffen, wie Mitgliederversammlung oder Benefizveranstaltungen nicht vorkommen oder zu kurz kommen.

Da es die Entfernung von Berlin nach Ravensbrück für viele unserer Mitglieder schwierig macht, Veranstaltungen in der Gedenkstätte zu besuchen, ist dieser Termin eine gute Gelegenheit über diese und andere für die Gedenkstätte relevante Themen zu berichten.

Dies wird Matthias Heyl für die sehr erfolgreiche Veranstaltung der Hildegard Hansche Stiftung gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück versuchen. Sein Thema ist:

»›Ravensbrücker Generationenforum‹ meets ›Sound in the Silence‹«

Ein ganz anderes, bisher viel zu wenig beachtetes Projekt, wird uns Matthias Roth vorstellen:

„Versuch einer 3D-Rekonstruktion des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück am Kriegsende“

Wir treffen uns in den Räumen des Vereins Kontakte-Kontakty e.V. in der Feurigstraße 68, 10827 Berlin-Schöneberg am Donnerstag, dem 13.2.2020 um 19 Uhr.

Mit herzlichen Grüßen

Peter Plieninger