Restaurierung einer Gitarre (2013)

Einladungskarte 2013

Benefizveranstaltung am 29.11.2013 im Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften

Die Gitarre der Cölestine Hübner

vorgestellt von Dr. Peter Plieninger:

Gegenstand der diesjährigen Spendensammlung (2013) ist die Restaurierung der Gitarre von Cölestine Hübner.

Bevor ich auf die Konservierung dieser Stauffergitarre eingehe, möchte ich einiges über ihre damalige Besitzerin Cölestine Hübner sagen.

Cölestine Hübner, auch Tini genannt, wurde als Tochter von Anna und Johann Slovak am 17. März 1905 in Wien geboren. Sie erlernte nach acht Jahren Volks- und Bürgerschule und zwei Jahren Fortbildungsschule die Damenschneiderei. 1926 wurde sie Hilfsarbeiterin in einer Kinderwagenfabrik, 1927 arbeitete sie in der Holzwarenfirma Lourie & Co. Am 27. Dezember 1939 wurde sie wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet. Cölestine Hübner war Kommunistin und im Widerstand aktiv.

Erkennungsdienstliches Foto von Cölestine Hübner

Während ihrer Haft starb 1940 ihr Ehemann. Sie kam nach einem langen Gefängnisaufenthalt am 3. März 1942 nach Ravensbrück, wo sie die Häftlingsnummer 9992 erhielt und bis zur Befreiung des Lagers über drei Jahre lang inhaftiert blieb. Sie war auf Block I als politischer Häftling untergebracht und arbeitete u. a. im Büro der Effektenkammer. Sie wurde Blockälteste.

Cölestine Hübner war vor ihrer Verhaftung als Chorsängerin und Alleinunterhalterin in Wien aufgetreten. Gabriele Knapp beschreibt sie in ihrem Buch: „Frauenstimmen. Musikerinnen erinnern an Ravensbrück“, als „Heurigensängerin“. 1)Wikipedia: Heurigensänger: Ein vom Lokal bezahlter Entertainer. Er kommt spielend jedem Gästewunsch nach und beherrscht selbstverständlich sämtliche Wienerlieder.

Dem widerspricht die Familie von Cölestine Hübner entschieden, wahrscheinlich, weil die Heurigensängerinnen nicht den besten Ruf genossen. Gabriele Knapp beruft sich bei ihrer Berufsbezeichnung auf Interviews mit lrma Trksak, Elisabeth Jäger und Hilde Zimmermann und auf einen Brief von Antonia Bruha an die Autorin.

Bei ihrer Ankunft in Ravensbrück hatte Cölestine Hübner ihre Gitarre dabei, die dann in der Effektenkammer deponiert wurde. Als sie dort als Arbeitskraft eingesetzt war, kam sie an die Gitarre wieder heran und durfte sie sogar mit auf den Block nehmen. Offenbar erlaubte dies die SS-Aufseherin in der Effektenkammer, die ebenfalls aus Wien stammte. Als Gegenleistung musste Cölestine Hübner für sie singen und Gitarre spielen.

In Block I traf Cölestine Hübner Hermine Freiberger (genannt Mimi) wieder, die einen Monat vor ihr in Ravensbrück eingewiesen worden war. Tini und Mimi wurden ein Duo, das Wiener- und Heurigenlieder zur Gitarre sang, (u. a. „Heut‘ kommen d‘ Engerln auf Urlaub nach Wean“). Öfter zogen sie von Block zu Block, um zum Geburtstag einer Kameradin zu singen, oder sie spielten für die Kranken im Revier. Mit ihrer Gitarre begleitete Tini Hübner manchmal auch die österreichisch-deutsche Gesangsgruppe im Lager.

Cölestine Hübner überlebte das Lager und kehrte nach Wien zurück.

Koffer von Cölestine Hübner

Sie starb am 21. August 1982.

Ihre Familie übergab die Gitarre und den Koffer der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Quellen: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands(DÖW), Akt Nr. 8138; Interviews der Autorin mit lrma Trksak, Elisabeth Jäger und Hilde Zimmermann; Brief von Antonia Bruha an die Autorin. Aus: Gabriele Knapp, Frauenstimmen. Musikerinnen erinnern an Ravensbrück. Berlin 2003.

 

Zustand der Gitarre:

Aufgrund des Instrumentenzettels, der von dem Buchverleger Carl Gerold beglaubigt wurde, ist davon auszugehen, dass es sich um ein originales Instrument von Johann Anton Stauffer handelt. Die Zeit ist durch das Todesjahr Gerolds auf vor 1854 zu datieren.

Zum momentanen Zustand zitiere ich aus dem Kostenvoranschlag der Meisterwerkstatt für Gitarrenbau Philipp Neumann: „Die Gitarre in der Gedenkstätte Ravensbrück befindet sich in einem sehr fragilen Zustand.“

Die Decke hat 14 Risse. Zudem drücken die Bodenbalken aufgrund des Holzschwunds gegen die Zargen und lassen dort das Holz aufbrechen.

Weiterhin ist auf der Decke und teilweise auf den Zargen ein sehr dicker Lack (vermutlich Schellack) zu finden, der mit großer Wahrscheinlichkeit nicht original ist.

Was ist zu tun?

Die vielen Deckenrisse müssen aus statischen Gründen mit Holz unterfüttert werden.

Zitat des Gitarrenbauers Philipp Neumann:

„Meiner Meinung nach sind die offenen Risse Zeichen der Geschichte dieser Gitarre, auch wenn sie erst in letzter Zeit vermehrt aufgetreten sind. Die Gitarre hat (wie vermutlich die Besitzerin) schwere Zeiten erlebt, die nun nach und nach sichtbar werden.“

Der nicht originale Lack auf der Decke verfälscht den authentischen Klang. Es ist kaum möglich, diesen Lack abzunehmen, ohne nicht auch die Spuren der Zeit zu tilgen bzw. den originalen Lack der Zargen anzugreifen, auf welchen der Deckenlack getropft ist. Neuer und alter Lack (Schellack) lösen sich leider beide in Ethanol (Alkohol).

Die Bünde auf dem Griffbrett sind nicht mehr exakt in einer Flucht.

Das Ziel einer passiven Konservierung ist, weitere Schäden vom Instrument abzuwenden bzw. die vorhandenen Schäden so zu versorgen, dass sie sich nicht vergrößern.

Folgende Vorgehensweise wird vorgeschlagen:

  1. Boden öffnen
  2. Deckenrisse mit Klötzchen unterfüttern
  3. Bodenbalken kürzen
  4. Zargenschäden zurückleimen und Boden wieder schließen

Die voraussichtliche Kosten für diese Maßnahmen inclusive einer Dokumentation der durchgeführten Arbeiten belaufen sich etwa 2.000,00 Euro.

Für die Durchführung dieser Arbeiten bitten wir Sie heute um eine Spende.

 

Referenzen:   [ + ]

1. Wikipedia: Heurigensänger: Ein vom Lokal bezahlter Entertainer. Er kommt spielend jedem Gästewunsch nach und beherrscht selbstverständlich sämtliche Wienerlieder.